Johann Gottlob von Quandt (1787-1859) - Kunstliebhaber, Mäzen und Goetheverehrer
Text und Abbildungen Klaus Brendler (Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest)

Am 1. Januar 1903 wurde der Vorort Kaditz nach Dresden eingemeindet. Ein knappes Jahr später teilte der Rat der Haupt- und Residenzstadt mit, dass ab dem 1. Januar 1904 insgesamt 18 Straßen "in der nunmehrigen Vorstadt Kaditz" neu benannt werden. So erhielt z.B. auch die heutige Quandtstraße, seit 1897 hieß sie Bahnstraße, ihren Namen.

Der Namensgeber Johann Gottlob von Quandt, am 9. April 1787 als Sohn eines Kaufmanns in Leipzig geboren, "verlebte seine Kindheit auf dem Gut Wachau (b. Leipzig), wo er durch sein Elternhaus eine vielseitige Ausbildung erhielt." (1)

Nach ausgedehnten Studienreisen schloss er am 2. Juni 1819 in der Dorfkirche zu Plauen (b. Dresden) die Ehe mit der Clara Bianca geb. Meißner, verwitwete von Low (1790-1862). "Auf beider Hochzeitsreise nach Italien wurde ihr Haus in Rom zum Künstlertreffpunkt. Regelmäßige Gäste waren die Maler Friedrich Overbeck (1789-1869), Caroline Louise Seidler (1786-1866), Carl Christian Vogel von Vogelstein (1788-1868) u. v. m." (1)

Porträt des Johann Gottlob von Quandt, geschaffen um 1830 von C.C. Vogel von Vogelstein Bildnis der Clara Bianca von Quandt, geschaffen um 1820 von Julius Schnorr von Carolsfeld

Johann Gottlob von Quandt, 1820 vom sächsischen König Friedrich August I. (1750-1827) in den Adelsstand erhoben, erwarb im gleichen Jahr zwei Häuser in Dresden und nahm hier seinen Wohnsitz. In der Folgezeit wurde er eine der bedeutendsten Persönlichkeiten im Kunst- und Kulturleben der Elbestadt.

"Von der Gründung im Jahre 1828 bis 1833 stand […] Johann Gottlob von Quandt, der 1826 den Vorsitz der Sektion Malerei und Bildhauerkunst im ‚Verein zur Erforschung und Erhaltung vaterländischer Altertümer' übernommen hatte, dem Sächsischen Kunstverein als leitendes Ausschußmitglied vor und trug mit seinem Enthusiasmus für die zeitgenössische Kunst und mit seinen Auffassungen über Kunstpolitik wesentlich zur Profilierung dieses Vereins bei." (2)

Die beachtliche Kunstsammlung Johann Gottlob von Quandts umfasste über 100 alte und neue Gemälde sowie etwa 2.000 Kupferstiche und Holzschnitte. Sein Haus Große Klostergasse Nr.225 am Neustädter Elbufer wurde "bald zum Zentrum eines geselligen und bildungsbeflissenen Kreises von Künstlern und Kunstliebhabern". (2) Zu diesem Kreis gehörten u.a. auch die von ihm geförderten Maler Caspar David Friedrich (1774-1840), Ludwig Richter (1803-1884) und Julius Schnorr von Carolsfeld (1794-1872). Besonders verbunden fühlte er sich mit Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832).

Im Jahre 1829 erwarb er das Rittergut Dittersbach und baute das Schloss zu seiner Sommerresidenz aus. Es wurde ein Ort des Zusammentreffens mit vielen seiner Dresdner Freunde, so u. a. auch mit dem Komponisten Richard Wagner (1813-1883), dem Bildhauer Ernst Rietschel (1804-1861), dem Baumeister Gottfried Semper (1893-1879) und dem Dichter Ludwig Tieck (1773-1853).

Schloss Dittersbach, Wappen der Familie Quandt

Von 1831-1838 ließ Johann Gottlob von Quandt zu Ehren Johann Wolfgang von Goethes auf dem "Schöne Höhe" genannten 328 Meter hohen Berg bei Dittersbach das "Belvedere" errichten. Er setzte damit dem von ihm hoch geschätzten Dichter ein Denkmal.

Verstorben ist Johann Gottlob von Quandt am 19. Juni 1859 in Dresden, beigesetzt wurde er auf dem Kirchhof in Dittersbach.

Gedenktafel an der Kirchhofsmauer in Dittersbach

Das Anliegen des am 18. März 1996 gegründeten "Quandt-Verein Dittersbach zur Förderung der Künste" e.V. besteht darin, das hinterlassene kulturhistorische Erbe des Johann Gottlob von Quandt zu pflegen und zu bewahren.

Den maroden Gebäudekomplex des denkmalgeschützten Schlosses Dittersbach und den dazu gehörenden Schlosspark hatte die Stadt Dresden, bisheriger Eigentümer der Immobilie, im Frühjahr 2004 an einen aus dem Stuttgarter Raum stammenden Unternehmer verkauft.

(1) Quelle: "Quandt-Verein Dittersbach zur Förderung der Künste" e.V.
(2) Quelle: Cornelia Briel, "Der Sächsische Kunstverein in den Jahren 1828-1833", in DRESDNER HEFTE, 5. Jahrgang, Heft 5/1987, Beiträge zur Kulturgeschichte 13