Dresdner Sportereignisse des Jahres 1949

Am 21. Juni, einem Dienstag, erhält der ehemalige DSC-Platz im Ostragehege den Namen des Dresdner Arbeitersportlers Heinz Steyer (1909-1944).

Am Sonntag darauf, dem 26. Juni, wird im Heinz-Steyer-Stadion das Fußballendspiel um die sogenannte "Ostzonenmeisterschaft" zwischen der ZSG Union Halle und Fortuna Erfurt ausgetragen. Mit 4:1 müssen sich die Erfurter geschlagen geben. Der erste sächsische Nachkriegsmeister in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ), die SG Dresden-Friedrichstadt, war schon im Viertelfinale gescheitert. Sie hatte am 29. Mai desselben Jahres mit 1:2 gegen den späteren Meister vor 30.000 Zuschauern in der Saalestadt Halle verloren.

Am Mittwoch, den 13. Juli wird auf der Aschebahn des Heinz-Steyer-Stadions im Rahmen einer Radsportveranstaltung für Berufsfahrer der Große Preis der illustrierten Zeitschrift "Zeit im Bild" ausgefahren. Am Start des Mannschaftsrennens über 175 Stadionrunden hatten sich u.a. Fahrer aus Nürnberg, Berlin, Chemnitz und Magdeburg versammelt. Prominentester Teilnehmer war der Nürnberger Georg Voggenreiter (1919-1986), in den Jahren 1945 bis 1950 einer der populärsten Sportler Deutschlands.

Am 31.Dezember, einem Sonnabend, findet im Heinz-Steyer-Stadion das erste Mal in Deutschland ein Fußballspiel unter Flutlicht statt. Die SG Dresden-Friedrichstadt tritt gegen eine von Helmut Schön (1915-1996) betreute Nationalmannschaft der knapp drei Monate zuvor gegründeten DDR an. Die Flutlichtpremiere ist zugleich das Abschiedsspiel für den inzwischen 43-jährigen Fußballspieler Richard Hofmann, der sich im Sommer 1948 den "Friedrichstädtern" angeschlossen hatte.
Anmerkung: Der 1906 in Meerane geborene 25-fache deutsche Nationalspieler Richard Hofmann verstarb im Mai 1983 in Freital (Sachsen).

Helmut Schön, 1915 in Dresden geboren und 1996 in Wiesbaden verstorben, spielte während der Saison 1947/48 in der SG Dresden-Friedrichstadt. Am Ende der Spielserie um die erste DDR-Meisterschaft 1949/50 holte er sich als Spielertrainer die Vizemeisterschaft hinter der ZSG Horch Zwickau. Da hatte er in Köln unter Sepp Herberger seine Trainerausbildung schon absolviert. Nach Auflösung der SG Dresden-Friedrichstadt im Mai 1950 verließ er Dresden. Von 1964 bis 1978 war Helmut Schön Trainer der Bundesrepublik Deutschland und so erfolgreich wie bisher kein anderer. Seine Bilanz: Vizeweltmeister 1966, 3. Platz der WM 1970, Europameister 1972, Weltmeister 1974, Vizeeuropameister 1976! Im Jahre 1996 verstarb er in Wiesbaden.

Anmerkungen: Als "Stadion im Ostragehege" wurde am 12. Oktober 1919 das heutige "Heinz-Steyer-Stadion" seiner Bestimmung übergeben. Die "Zeit im Bild" war eine illustrierte Zeitschrift in der DDR, die von 1946 bis 1952 vom Sachsenverlag in Dresden herausgegeben, danach durch den Verlag Zeit im Bild übernommen und vom Druckhaus der Sächsischen Zeitung gefertigt wurde. Im Oktober 1969 ging die "Zeit im Bild" in der "Neuen Berliner Illustrierten" auf. Die wiederum erschien am 10. Oktober 1991 zum letzten Mal.

Quelle: "Aus der Geschichte des Sportvereins TSV Rotation Dresden", Klaus Brendler, Dezember 2014