Alfred Maul (1870-1942) – ein Pionier der Raketenfotografie
Text und Abbildungen Klaus Brendler (Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest)

"Eine neue Erfindung wurde am 22. August 1906 in Königsbrück auf dem Schießplatz vor der Militärbehörde erprobt. Es ist ein Apparat, der auf einem transportablen Gestell überallhin gefahren und schnell aufgestellt werden kann. Er wird senkrecht gestellt, und durch ihn wird ein photographischer Apparat bis 600 Meter in die Luft geschossen, der, wenn er den höchsten Punkt erreicht, die ganze Gegend unter ihm im Umkreis von zwei Meilen photographiert." So beschrieb die Zeitschrift "Drogistenwoche" (1906) die Erfindung der Fotorakete des in Dresden ansässigen Alfred Maul. Seine Idee war, größere Geländeabschnitte aus der Höhe zu fotografieren.

 

"Mehrmals führte er seine Photoraketen hochrangigen Militärs vor, worauf er ab Sommer 1903 seine Versuche auf dem Truppenübungsplatz bei Königsbrück fortsetzen konnte. Dem Experimentator wurde sogar Bedienungspersonal zur Seite gestellt. Selbst der König von Sachsen wohnte 1908 den Versuchen bei und äußerte sich anerkennend über die Erfindung und die Qualität der Aufnahmen. Die finanziellen Mittel zum Bau der Raketen und zur Durchführung der Testflüge wurden zum großen Teil vom Erfinder selbst getragen. Unterstützung erhielt er durch die Dresdner Industriellenfamilie Hultzsch sowie durch militärische Dienststellen. […]. Der Ingenieur Maul war der erste, der die Idee der Raketenphotographie in die Praxis umsetzte. Er leitete gewissermaßen die Fernerkundung mit Hilfe von Höhenraketen ein und ist somit der Pionier der Raketenphotographie." (1)

Der Sachbuchautor Heinz Mielke (1923-2013) schreibt darüber in seinem Buch "Der Weg ins All" (Verlag Neues Leben, Berlin, 1957): "Die Schwierigkeiten bei diesen Versuchen waren anfangs nicht gering und Mauls erstes Modell trug auch nur eine Kamera für das Bildformat 4 x 4 Zentimeter auf etwa 300 Meter Höhe. Später gelangen recht gute Aufnahmen aus Steighöhen von 800 Meter mit wesentlich größeren Kameras."

(1) Frank-F. Rietz schreibt in "Luft- und Raumfahrt" 1 / 1996