Quellen zur Geschichte des Turnens in Dresden von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

Sport und Tourismus in Dresden – Quellen zu diesem Thema gibt es jede Menge, viele davon auch digital. Dies zeigt sich etwa am Beispiel des Turnsports für den Zeitraum von der Mitte des 19. Jahrhunderts - zum Jahreswechsel 1843/44 wurde mit dem "Allgemeinen Turn-Verein Dresden" der erste Turnverein in der sächsischen Landeshauptstadt gegründet - bis zur NS-Zeit. Die Gründungsgeschichte des "Allgemeinen Turn-Vereins" ist gut in der zentralen Zeitschrift der deutschen Turnbewegung dokumentiert: "Der Turner" erschien als Amtsblatt des Deutschen Turnerbundes ab 1846. Digitalisate liegen nur teilweise und verstreut vor, z. B. der vierte Jahrgang 1849 bei Google Books, der fünfte Jahrgang 1850 bei der ULB Düsseldorf.

In der Zeitschrift finden sich Beiträge etwa zum Stiftungsfest des Vereins am 12. Februar 1846, zu den Vereinsstatuten und ein Überblick über die eigenen Aktivitäten. Auch die ab 1843 existierenden "Jahrbüchern der deutschen Turnkunst"- die ersten beiden Jahrgänge 1843 und 1844 sind u. a. beim Deutschen Textarchiv digital zugänglich - griffen die Geschichte des Vereins auf, z. B. in einem Beitrag aus dem Jahr 1885. Selbst veröffentlichte der Verein seine Rechenschaftsberichte, seine "Mittheilungen" und ab 1886 einen Jahreskalender bzw. später ein Jahrbuch, von denen die Jahrgänge 1886 bis 1899 bei der SLUB Dresden digital zugänglich sind.


Quelle http://www.stadtwikidd.de/
Archiv der Stadtteilfeuerwehr Dresden Bühlau
Unter dem Turnlehrer und Sportgymnasten Gustav Ritz (1829-1887) wurde 1863 die Dresdner Turner-Feuerwehr begründet, die bis 1881 bestand und im Kontext der Bemühungen von Ritz zum Ausbau des Feuerlöschwesens in der Landeshauptstadt zu sehen ist. Die Verbindung war für die Zeit typisch, wie auch eine zeitgenössische Darstellung zur "Freiwilligen Turner- und Orts-Feuerwehr zu Plauen" (heute ein Stadtteil von Dresden aus dem Jahr 1899 zeigt. Anfangs 75 Mann stark, waren bei der Dresdner Turner-Feuerwehr bereits im Jahr nach der Gründung 165 Mitglieder zu verzeichnen. Überliefert und digital verfügbar sind u. a. die "Grundbestimmungen" von 1863, die "Satzungen für die Kranken- und Unterschützungs-Casse“ von 1864 und die "Gesetze" von 1866 . Die Dresdner Turnlehrer waren ebenfalls in einem Verein organisiert und brachten mit ihren Jahresberichten eine langlebige Zeitschrift heraus, die in öffentlichen Einrichtungen allerdings erst ab dem 27. Jahrgang 1889 erhalten ist. Hier sind die Jahrgänge von 1889 bis 1900 bei der SLUB Dresden digital zugänglich.

Weitere Quellen harren noch der digitalen Bereitstellung, z. B. das ab 1927 erschienene "Jahrbuch für Turnen und Sport in Sachsen" und das ebenfalls seit 1927 existierende, allerdings nur lückenhaft überlieferte "Monats-Programm für Turnen und Sport in Dresden". Als ein zentrales Periodikum ist "Der Turner aus Sachsen" zu nennen, der als "Kreisblatt des 14. Kreises der Deutschen Turnerschaft Freistaat Sachsen" von 1895 bis 1936 erschien und vom Dresdner Sportlehrer und Direktor der Königlichen Turnlehrer-Bildungsanstalt Ernst Woldemar Bier (1840-1906) begründet worden war.

Königliche Turnlehrer-Bildungsanstalt Carusstraße 30, Quelle Sammlung Rohland

Weitere Anhaltspunkte für die Existenz von Turn- und Sportvereinen lassen sich u. a. Vereinsadressbüchern entnehmen, wie sie für Dresden aus den Jahren 1906 und 1913/14 erhalten sind. Auch zentrale Veröffentlichungen wie das "Zweite statistische Jahrbuch der Turnvereine Deutschlands" von 1865 bieten Informationen zu den Verhältnissen auch in Dresden und können Ausgangspunkt für weitere Forschungen sein.

Text: Martin Munke, Mitglied des Vorstandes des Vereins „Dresdner Geschichtsmarkt“ e. V.